Dieses Wochenende war es also soweit: der
Großmeister der Trick-Bogenschützen, Mr. Byron Ferguson wurde
von Erwin Leht nach Graz geholt. Klar, diese einmalige Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen!
Wir sind bereits am Samstag angereist, weil es doch ein Eck zu fahren ist und wir Graz als Stadt auch nicht kannten. Nach rund 4h Fahrt sind wir angekommen und haben eingecheckt. Die
ersten zwei Schocks: die
Karten für die Veranstaltung waren nicht an der Rezeption hinterlegt, obwohl ich das so mit dem Veranstalter vereinbart hatte und der
Internet-Zugang kostet extra, obwohl die Zimmerpreise deutlich im gehobenen Segment lagen.
Naja, beides liess sich an dem Abend sowieso nicht ändern, also haben wir uns
erstmal die Altstadt angeschaut, mit ihrer tollen gotischen Burg. Wirklich sehr schön und dann haben wir als Belohnung noch in einem leckeren steirischen Lokal zu abend gegessen.
Aber die
Aufregung mit den Karten war völlig unbegründet. Am nächsten Morgen habe ich Erwin beim Aufbau getroffen und meine Karten bekommen.
Dabei hat er mir auch erzählt, wie er dazu gekommen ist, den wohl bekanntesten Trickschützen der Welt nach Graz zu holen. Er selbst schiesst nämlich erst seit einem Jahr Bogen, hat aber schon früh die Videos von Byron im Internet gesehen und als er festgestellt hat, wieviel eine Reise in die USA kosten würde, dachte er sich, dass er für das Geld Byron auch gleich nach Europa holen könnte. Seine Freunde erklärten ihn für verrückt, aber das hat ihn erst so richtig motiviert es zu machen: Byron war da und bereitet sich schon mal vor!
Ich hatte sogar kurz die Gelegenheit mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Ein sehr sympathischer Mann.
Bereits um 12:30 Uhr sind wir dann zum Einlass, schliesslich gab es keine Platzreservierung und es war auch schon
einiges im Vorraum geboten:
Bogensport Traxler war mit einem Stand vertreten und das Red Bull Magazin "
red bulletin" hatte seine Leute geschickt um über Byron zu berichten. Überhaupt hat sich zu der Veranstaltung auch
das "who is who" der österreichischen Bogenszene eingefunden, so zum Beispiel Peter O. Stecher, der "
Legends in Archery: Abenteurer mit Bogen und Pfeil
" geschrieben hat oder auch Familie Vorderegger, die nach der Varanstaltung auch noch einen Stand mit ihren Büchern im Vorraum hatten.
Es war wirklich deutlich zu spüren, wie
unter den Gästen von Minute zu Minute die Anspannung stieg, bevor wir in den großen Seminarsaal durften, in dem die Bühne aufgebaut war. Wir hatten Glück und haben ein paar sehr gute Plätze ergattert auf denen wir nochmal auf die Folter gespannt wurden, bis es endlich losging. Schon im Vorfeld war
das Blitzlichtgewitter enorm. Kaum kam Byron mal auf die Bühne um seine Dinge zu ordnen, ging es los. Sein Köcher und sein Bogen auf der Bühne wurden wie ein Schrein mit Reliquien von allen Seiten fotografiert.
Man merkte, dass hier ein Star erwartet wurde und das Publikum aus lauter Fans bestand. Und als ultimativer Beweis für seinen Status war sogar der ORF gekommen, um die Show für das Fernsehen aufzunehmen.
Dann ging es endlich los! Erwin Leth hielt noch eine kurze Ansprache und Laudatio auf die Unterstützer und Sponsoren, bevor
Byron unter frenetischem Applaus auf der Bühne empfangen wurde.
Er
begeisterte durch seine gentleman-like Art und bemühte sich redlichst, seinen Alabama-Slang mit auch für uns verständlichem Englisch zu ersetzen. Das war auch sehr gut so, denn so haben wir
seine Ankündigungen und Witze sehr gut verstanden und konnten die Übersetzerin, die keine Ahnung von Bogenschiessen hatte und auch sonst wohl nicht so gut Englisch sprach, weitgehend ignorieren.
Mit viel Charm zeigte Byron dann seine Schüsse, zuerst einen
Schuss mit quer gelegtem Bogen, dann denn Bogen verkehrt herum quergelegt, also so dass das Handgelenk nach unten zeigte. Das sieht alles so spielend leicht aus, aber wenn ich denke, dass ich mit einer akuraten Haltung schon kaum treffe...
Als Steigerung schoss Byron dann als nächstes über den Rücken mit verkehrt herum quer gelegtem Boden. Ein fast schon akrobatische Leistung!
Dann folgte der
Schuss mit dem Fuß, gefolgt von dem
mit zwei Pfeilen gleichzeitig auf zwei verschiedene Ziele. Der nächste Trick war der
Schuss über eine Rampe auf zwei Ballons wärend er unterwegs eine Plasikflasche beseite schiesst. Das
ausschiessen einer Kerzenflamme und dann noch der
Schuss rückwärts, nur in einem Spiegel sein Ziel anvisierend, stellte den vorläufigen Höhepunkt seiner Show dar.
Das Publikum war begeistert! Da wahrscheinlich jeder im Publikum auch schon mal selbst einen Bogen in der Hand hatte, sah man in den Augen
pure Bewunderung blitzen.
Doch dann steigt Byron erst von der Bühne denn es folgten
die "aerial shots", die Schüsse auf Dinge die seine Frau todesmutig in die Luft wirft und er sie mit atemberaubender Präzision trifft. Auch hier merkte man sein Show-Erfahrung, denn er begann mit einem ca. 40cm großem Ring, in dem ein Luftballon steckte. Aus ca. 6 - 8m kein Problem für den Profi.
Doch dann folgte eine Holzscheibe mit ca. 20cm Durchmesser. Die würden wahrscheinlich schon weniger Bogenschützen selbst treffen. Doch damit nicht genug! Es folgte das Bonbon und
der absolute Höhepunkt, die Aspirin-Tablette!!!
Wenn man das mal selbst gesehen hat, merkt man erst, was das für eine Leistung ist, denn aus meiner Position, war
die Tablette schon im Flug kaum zu erkennen.
Sehr sympathisch fand ich aber auch, dass selbst ein Profi wie Byron Ferguson schon mal 2 oder sogar 3 Pfeile für einen Trick benötigt. So hat er sich für den
finalen Trick, der wirklich gefährlich ist, selbst nur 3 Versuche gegeben und auch wenn der dritte Pfeil nicht so getroffen hat, wie er es sich vorgestellt hat, hat er dann auch wirklich keinen weiteren Versuch unternommen.
Dabei hat er auch einen Freiwilligen aus dem Publikum involviert, der bestätigen sollte, dass die Augenbinde die Byron aufgezogen hat wirklich dicht ist und bei Fehlschüssen ihm sagen sollte, in welcher Richtung und wie weit er daneben geschossen hat.
Dann hat Byrons Frau einen
Scheibe mit einem Piepser daran in die Luft geworfen und Byron hat versucht
mit verbundenen Augen die Scheibe nur nach Gehör zu treffen. Es ist ihm zwar nicht ganz gelungen, aber gestriffen hat er sie!
Als der Applaus verstummt war, hat er die
Fragerunde für das Publikum eröffnet und geduldig alle Fragen rund um seinen Schiessstil, sein Zielsystem, seinen Bogen oder auch seine Trainingsmethoden beantwortet. So hat er mir zum Beispiel beantwortet wie er seinen Bogenarm so steif bekommt. Ein Komponente im Schussablauf die seiner Meinung nach sogar wichtiger ist als der release.
Als auch die letzte Frage beantwortet war, strömten die Massen wieder in den Vorraum um sich über das eben erlebte angeregt auszutauschen und nach einer kurzen Verschnaufpause alle möglichen
Gegenstände von Byron signieren zu lassen, allem vorran natürlich sein Buch "
Become the Arrow: Werde der Pfeil
" dass nun auch auf deutsch im Verlag Vorderegger erschienen ist.
Ich selbst habe natürlich auch einige Devotionalien und ein Erinnerungsfoto abgestaubt.
Nach
ein paar sehr nette Gesprächen und der Besichtigung der zusätzlichen Marktstände, haben wir den Tag bei einem lecker Abendessen in der Stadt ausklingen lassen.
Danke nochmal an Erwin Leth und sein Team für den Mut dieses Projekt anzugehen und herzlichen Glückwunsch zu der professionellen Art der Umsetzung, die uns ein wundervolles Erlebnis ermöglicht hat.
Kommentare
Fr, 27.08.2010 22:03
Fr, 27.08.2010 17:41
Do, 26.08.2010 22:55
Mi, 25.08.2010 10:54
So, 22.08.2010 14:59