mein erster selfbow: englischer Langbogen "Mary Rose"
Am Wochenende vom 28.07.2007 bin ich extra nach Köln zu Jürgen Junkmanns gefahren, um meinen eigenen Bogen vom Typ "Oberflacht" zu bauen. Ich hatte zuvor recherchiert und nur bei Jürgen einen solchen Bogen im Angebot gefunden.
Warum Oberflacht? Weil ich mich einfach in das Design verliebt habe (heute weiß ich viel mehr über diesen Bogentyp und dass er nicht einfach zu schiessen ist, aber irgendwann baue ich mir doch nochmal einen).
Das Jürgen ohne Zweifel sehr erfahren ist, was das Bogenbauen angeht, zeigen seine vielen Referenzen und Publikationen, so z.B. unter anderem auch in dem Bogenbauer-Buch
.
Allerdings haben die Seminare bei ihm meiner Meinung nach nicht das Ziel, das komplexe Wissen, dass für den Bau von Bögen notwendig ist, an einem Wochenende zu vermitteln, was wohl auch kaum möglich ist. Da er die meiner Meinung nach schwierigen Teile übernimmt, wie die Auswahl des Holzes, das Finden des Bogens im Holz, das grobe Ausformen des Rohlings, ggf. das Biegen von Recurves aber auch das Tillern selbst, geht wirklich jeder am Ende mit einem schiessbaren Bogen nach Hause.
Ich bin schon Freitag Nacht angereist, weil ich weder mir noch meinem Auto die Autobahnen zumuten wollte. Es war grauenvollen Nacht in einem grauenvollen Zimmer, da die Einrichtung wohl seit den 50ern nicht mehr renoviert wurde, es eher ein Wohnkloo war und auch so gerochen hat und dass für 49,- EUR/Nacht! Also ist aus meiner Sicht das Hotel Germania in Köln nicht zu empfehlen.

Naja, am Samstag Morgen bin ich in strömendem Regen bis zum Veranstaltungsort gelaufen. Dort haben auch schon die ersten gewartet und sich untergestellt, denn die Garage in der der Kurs stattfindet war noch zu. Als Jürgen dann mit seiner Freundin kam, ging es auch sofort los. Er hat uns erstmal einen Überblick über die verschiedenen historischen Bögen gegeben. Da er für fast jeden Bogentyp ein fertigen Nachbau da hatte, war das eine recht plastische Angelegenheit.
Anschliessend hat sich jeder einen Biertisch (die Arbeitsplätze) ausgesucht und seinen vorbereiteten Hickory-Rohling bekommen.
Nun ging der praktische Teil des Kurs los, zunächst mit dem Glätten des Bogenrückens von den Spuren der Bandsäge. Eine gute Aufwärmübung im wahrsten Sinne des Wortes, da es so heiß wurde mit 12 wild arbeitenden Menschen, dass es sogar einen umgehauen hat. Zum Glück ist aber nichts ernstes passiert!
Als am Mittag die Bogenrücken so glatt waren wie Kinder-Popo's ging es zum Essen zum nahe gelegenen Spanier. Dort haben wir sehr gut gegessen und uns mal richtig unterhalten können. Wenn man als Papiertiger eine Raspel in der Hand hat, hat man nämlich nicht viel Luft für Konversation.

Ich habe mir im Supermarkt noch was zu trinken geholt, denn am Kursort selbst gibt es nichts und ich wollte den Nachmittag ja mit viel Elan und Ausdauer angehen. Ein Klo gibt es in der Garage auch nicht, aber ich wollte eh eher Flüssigkeit aufnehmen als abgeben. Also los ging es mit dem ersten tillern! Natürlich nach einer ausführlichen Einweisung.

OK, zugegeben, das Tillern hat eigentlich Jürgen für uns gemacht. Er hat die halbgaren Bögen auf den Tillerstock gespannt und mit sicherem Strich und fachmännischem Auge die Stellen markiert, die man noch bearbeiten werden mussten um eine gleichmäßige Biegung in das Holz zu bekommen.
Leider war dann schnell Schluss mit meinem Traum "Oberflacht", denn der Rohling war in sich verdreht. Eine Wegnahme von Holz auf der Gegenseite der Drehung hat leider auch nichts gebracht und so musste ich aufhören. Leider sieht man sowas dem Rohling nicht vorher an.

Ich war so sauer und enttäuscht zumal ja auch kein 2ter Rohling für jeden Kursteilnehmer für solche Fälle bereit stehen kann. Aber Jürgen hat versucht mich wieder zu motivieren und mir angeboten statt dessen einen englischen Langbogen im Stil "Mary Rose" aus einem Rohling zu bauen, den er noch dabei hatte. Klar, ist kein Oberflacht, aber ansonsten hätte ich den anderen den Rest des Tages und am Sonntag zuschauen können.
Die arbeiten wie glätten und tillern gingen dann auch recht schnell von der Hand und selbst die Hornnocken konnten wir an dem Abend noch aufkleben. Ich war etwas zu schnell mit der Raspel, so das der Bogen zwar schön getillert ist aber nur 30# statt der geplanten 40# Zuggewicht hat.
Klar, die anderen waren weiter und ich bin als letzter zurück ins Hotel, aber dafür hatten wir am nächsten Tag wieder den gleichen Stand, denn meine Sehne habe ich dann in meinem Zimmer fertig gespleißt.
Nach dieser etwas monotonen Arbeit musste ich im Biergarten neben an erstmal ein Kölner Bier probieren, oder auch 2 oder 3 oder.... na, aber es sind ja auch nur 0,2l !!!
Hier nun ein paar Bilder von dem guten Stück:
Der Sonntag war ab dem Morgen dem Pfeilbau gewidmet. Sehr schön, dass jeder 2 Pfeile bauen konnte, einen mit einer normalen Bullet-Spitze und einer mit einer Horn-Spitze (Bericht folgt). Beide Pfeile haben wir mit einem Selfnock versehen und mit Hanf gewickelt. Und hier hat man auch wieder gemerkt, wieviel Ahnung Jürgen vom Bau von Pfeil und Bogen hat, denn ein Befiederungsgerät brauchten wir nicht, genauso wenig wie irgendwelche Spezialkleber. Etwas einfachen Uhu und ein gutes Auge, dann halten die Federn auch so in der richtigen Position!

Leider musste ich früher weg (Spezialpreis der Bahn mit Zugbindung) und so habe ich das abschliessende Gruppen-Foto mit Pfeil und Bogen verpasst. Ein Test-Schiessen der Bögen wäre dort aber auch so nicht möglich gewesen.
Sehr nett ist auch, dass man Jürgen im nachhinein immer noch was per Email fragen kann und kompetente Auskunft erhält. Sein Merchandising in Form des Buches "Pfeil und Bogen: Herstellung und Gebrauch in der Jungsteinzeit
" das er in unglaublich vielen Sprachen da hat, kann ich auch empfehlen! Es ist sehr interessant und reich bebildert. Gerade die Formen und Besonderheiten der verschiednen Bögen sowie die verschiedenen Pfeilspitzen finde ich sehr schön. Ein Buch das in keiner Bibliothek eines Bogners fehlen sollte!
Fazit: wer ganz sicher mit einem schiessbaren Bogen heimfahren und einiges über historische Bögen lernen möchte, ist bei Jürgen Junkmanns genau richtig.
Warum Oberflacht? Weil ich mich einfach in das Design verliebt habe (heute weiß ich viel mehr über diesen Bogentyp und dass er nicht einfach zu schiessen ist, aber irgendwann baue ich mir doch nochmal einen).
Das Jürgen ohne Zweifel sehr erfahren ist, was das Bogenbauen angeht, zeigen seine vielen Referenzen und Publikationen, so z.B. unter anderem auch in dem Bogenbauer-Buch
Allerdings haben die Seminare bei ihm meiner Meinung nach nicht das Ziel, das komplexe Wissen, dass für den Bau von Bögen notwendig ist, an einem Wochenende zu vermitteln, was wohl auch kaum möglich ist. Da er die meiner Meinung nach schwierigen Teile übernimmt, wie die Auswahl des Holzes, das Finden des Bogens im Holz, das grobe Ausformen des Rohlings, ggf. das Biegen von Recurves aber auch das Tillern selbst, geht wirklich jeder am Ende mit einem schiessbaren Bogen nach Hause.
Ich bin schon Freitag Nacht angereist, weil ich weder mir noch meinem Auto die Autobahnen zumuten wollte. Es war grauenvollen Nacht in einem grauenvollen Zimmer, da die Einrichtung wohl seit den 50ern nicht mehr renoviert wurde, es eher ein Wohnkloo war und auch so gerochen hat und dass für 49,- EUR/Nacht! Also ist aus meiner Sicht das Hotel Germania in Köln nicht zu empfehlen.
Naja, am Samstag Morgen bin ich in strömendem Regen bis zum Veranstaltungsort gelaufen. Dort haben auch schon die ersten gewartet und sich untergestellt, denn die Garage in der der Kurs stattfindet war noch zu. Als Jürgen dann mit seiner Freundin kam, ging es auch sofort los. Er hat uns erstmal einen Überblick über die verschiedenen historischen Bögen gegeben. Da er für fast jeden Bogentyp ein fertigen Nachbau da hatte, war das eine recht plastische Angelegenheit.
Anschliessend hat sich jeder einen Biertisch (die Arbeitsplätze) ausgesucht und seinen vorbereiteten Hickory-Rohling bekommen.
Nun ging der praktische Teil des Kurs los, zunächst mit dem Glätten des Bogenrückens von den Spuren der Bandsäge. Eine gute Aufwärmübung im wahrsten Sinne des Wortes, da es so heiß wurde mit 12 wild arbeitenden Menschen, dass es sogar einen umgehauen hat. Zum Glück ist aber nichts ernstes passiert!
Als am Mittag die Bogenrücken so glatt waren wie Kinder-Popo's ging es zum Essen zum nahe gelegenen Spanier. Dort haben wir sehr gut gegessen und uns mal richtig unterhalten können. Wenn man als Papiertiger eine Raspel in der Hand hat, hat man nämlich nicht viel Luft für Konversation.

Ich habe mir im Supermarkt noch was zu trinken geholt, denn am Kursort selbst gibt es nichts und ich wollte den Nachmittag ja mit viel Elan und Ausdauer angehen. Ein Klo gibt es in der Garage auch nicht, aber ich wollte eh eher Flüssigkeit aufnehmen als abgeben. Also los ging es mit dem ersten tillern! Natürlich nach einer ausführlichen Einweisung.

OK, zugegeben, das Tillern hat eigentlich Jürgen für uns gemacht. Er hat die halbgaren Bögen auf den Tillerstock gespannt und mit sicherem Strich und fachmännischem Auge die Stellen markiert, die man noch bearbeiten werden mussten um eine gleichmäßige Biegung in das Holz zu bekommen.
Leider war dann schnell Schluss mit meinem Traum "Oberflacht", denn der Rohling war in sich verdreht. Eine Wegnahme von Holz auf der Gegenseite der Drehung hat leider auch nichts gebracht und so musste ich aufhören. Leider sieht man sowas dem Rohling nicht vorher an.

Ich war so sauer und enttäuscht zumal ja auch kein 2ter Rohling für jeden Kursteilnehmer für solche Fälle bereit stehen kann. Aber Jürgen hat versucht mich wieder zu motivieren und mir angeboten statt dessen einen englischen Langbogen im Stil "Mary Rose" aus einem Rohling zu bauen, den er noch dabei hatte. Klar, ist kein Oberflacht, aber ansonsten hätte ich den anderen den Rest des Tages und am Sonntag zuschauen können.
Die arbeiten wie glätten und tillern gingen dann auch recht schnell von der Hand und selbst die Hornnocken konnten wir an dem Abend noch aufkleben. Ich war etwas zu schnell mit der Raspel, so das der Bogen zwar schön getillert ist aber nur 30# statt der geplanten 40# Zuggewicht hat.
Klar, die anderen waren weiter und ich bin als letzter zurück ins Hotel, aber dafür hatten wir am nächsten Tag wieder den gleichen Stand, denn meine Sehne habe ich dann in meinem Zimmer fertig gespleißt.
Nach dieser etwas monotonen Arbeit musste ich im Biergarten neben an erstmal ein Kölner Bier probieren, oder auch 2 oder 3 oder.... na, aber es sind ja auch nur 0,2l !!!
Hier nun ein paar Bilder von dem guten Stück:
Der Sonntag war ab dem Morgen dem Pfeilbau gewidmet. Sehr schön, dass jeder 2 Pfeile bauen konnte, einen mit einer normalen Bullet-Spitze und einer mit einer Horn-Spitze (Bericht folgt). Beide Pfeile haben wir mit einem Selfnock versehen und mit Hanf gewickelt. Und hier hat man auch wieder gemerkt, wieviel Ahnung Jürgen vom Bau von Pfeil und Bogen hat, denn ein Befiederungsgerät brauchten wir nicht, genauso wenig wie irgendwelche Spezialkleber. Etwas einfachen Uhu und ein gutes Auge, dann halten die Federn auch so in der richtigen Position!

Leider musste ich früher weg (Spezialpreis der Bahn mit Zugbindung) und so habe ich das abschliessende Gruppen-Foto mit Pfeil und Bogen verpasst. Ein Test-Schiessen der Bögen wäre dort aber auch so nicht möglich gewesen.
Sehr nett ist auch, dass man Jürgen im nachhinein immer noch was per Email fragen kann und kompetente Auskunft erhält. Sein Merchandising in Form des Buches "Pfeil und Bogen: Herstellung und Gebrauch in der Jungsteinzeit
Fazit: wer ganz sicher mit einem schiessbaren Bogen heimfahren und einiges über historische Bögen lernen möchte, ist bei Jürgen Junkmanns genau richtig.
Geschrieben von Jean-Christoph von Oertzen
um
23:42
in Bögen, Bogenschiessen
Tags für diesen Artikel: bögen, bogen, bogenbau kurs, Bogenschiessen, englischer Langbogen, erfahrungsbericht, hornnocken, Mary Rose, pfeile, präsentation, retrospektive, selfbow



Kommentare
Fr, 03.05.2013 19:24
Fr, 26.10.2012 20:49
Fr, 26.10.2012 01:55
Do, 13.09.2012 23:33
So, 09.09.2012 19:04