Ich denke, bei den meisten, die dem Bogenvirus anheim gefallen sind, keimt früher oder später auch
der Wunsch, einen Bogen selber zu bauen.
Gerade wenn man mehr historisch interessiert als leistungsorientiert ist, und sich für die Steinzeit oder das Mittelalter als Epochen im Besonderen interessiert, ist der Markt aber doch recht klein.
Authentische Mittelalter-Bögen gebraucht zu kaufen sind selten, wahrscheinlich, weil diese selfbow (Primitivbogen) überhaupt sehr selten verkauft werden. Der Aufwand in der Herstellung ist einfach sehr hoch, erst recht wenn authentisch hergestellt und man sich überlegt, was es für
Werkzeuge im Mittelalter gab:
- Axt und Dexel (Querbeil)
- Ziehmesser und Messer
- Schachtelhalme als Schleifmittel
Für einen Bogen der so hergestellt wurde braucht auch ein erfahrener Bogenbauer ein paar Stunden und mit Material u.ä. kommt man schnell auf einen Preis, den die meisten Menschen nicht bereit sind für einen reinen Holzbogen auszugeben.
Wer aber genau danach sucht wird z.B. bei
Konrad Vögele fündig, der reine Holzbögen vornehmlich aus Osage Orange baut und verkauft (aber nicht unbedingt nach authentischen Vorlagen), oder bei
Pipe Bikerstaffe, einem englischen Bogenbauer, der original englische Langbogen baut.
Aber das bringt mich wieder zurück zu der ursprünglichen Frage:
wie baue ich Pfeil und Bogen selber und wie sehen mittelalterliche Bogen aus?
Fangen wir mit der Frage an: was ist ein mittelalterlicher Bogen?
Da hätten wir:
- Jagdbogen wie den von Hochenaschau
- die englischen Langbogen als die bekanntesten Vertreter, der Mittelalter-Bogen
- die Kompositbögen der Reitervölker, welche auch im Mittelalter auch benutzt wurden, wenn man ihrer in einem guten Zustand habhaft werden konnte
Auf den heutigen Mittelaltermärkten sind Repliken dieser Reiterbögen aus Fieberglas der Verkaufsschlager, da günstig in Osteuropa herzustellen. Von der
Firma Grozer in Ungarn gibt es inzwischen auch eine noch günstigere Serie, mit unterschiedlichsten Modellen.
Nehmen wir also an, wir wählen den englischen Langbogen (kurz ELB) als Form, so müssen wir auch fast auf das
authentische Holz der Eibe zurückgreifen, denn die Bauform ist extrem beanspruchend für das Material. Eibe ist sicher das geeignetste Bogenholz, aber die Bestände dieses sehr langsam wachsenden Holzes wurde im späten Mittelalter so sehr ausgebeutet, dass die Bäume heute unter Naturschutz stehen und nur noch selten qualitativ hochwertige Stücke zu bekommen sind.
Alternativ, da günstiger und sicherer (Eibe ist hochgiftig, auch der Staub der beim Bearbeiten entsteht!) aber eben nicht authetisch ist Hickory, ein Nussholz aus den USA, das auch sehr druckfest und dabei zugstabil ist. Gerade der günstigere Preis und da es fehlerverzeihender in der Bearbeitung ist, macht es
ideal als Holz für Bogenbau-Kurse und so ist auch
mein ELB aus Hickory.
Das bringt mich auch zu dem Punkt, das jeder der versuchen möchte einen funktionsfähigen und authentischen Mittelalter-Bogen zu bauen auf jeden Fall
einen Kurs bei einem erfahrenen Bogenbauer machen sollte. Für die ersten Selbstversuche bietet sich ein steinzeitlicher Flachbogen deutlich eher an. Hierfür findet man viele Anleitungen in der gängigen Literatur, z.B. in "
Das Bogenbauer Buch
" eine sehr verständliche Anleitung von Jorge Zschieschang, nach der auch ich
meinen ersten Flachbogen gebaut habe.
Eine Beschreibung, wie man mittelalterliche und mittelalterlich-anmutende Pfeile herstellt, will ich hier immer noch mal veröffentlichen.
Kommentare
Fr, 27.08.2010 22:03
Fr, 27.08.2010 17:41
Do, 26.08.2010 22:55
Mi, 25.08.2010 10:54
So, 22.08.2010 14:59