Der ganz besondere Pfeil
Ich denke, ich kann schon von mir sagen, dass ich inzwischen ganz passable Holzpfeile baue. Aber es gibt ein paar Dinge, wie eingespleisste Vorschäfte oder mit Hartholz verstärkte Nocks, die ich auch noch nicht ausprobiert habe. Und deshalb habe ich mich dieses Wochenende zu einem Kurs für den "besonderen Pfeil" bei Norbert Bauer und seiner Lebensgefährtin Eva angemeldet.
Und Norbert hat es geschafft, mich mit 6 ganz besonderen Pfeilen und einer Menge mehr an Wissen über die Herstellung von Holzpfeilen nach Hause zu schicken.

Begonnen hat der Kurs am Freitag bereits um 14:00, weshalb ich mir den Tag frei genommen hatte, um auch rechtzeitig dort zu sein. Normalerweise findet der Kurs in dem historischen Schulhaus statt, das Eva als Pension nutzt, doch wegen eines Wasserschadens durch den strengen Winter fand es ausnahmsweise bei Norbert in der Werkstatt in Wald, in der Nähe von Regensburg, statt. Dort angekommen wurde ich von den beiden sehr herzlich mit Kaffee und Kuchen empfangen, so das wir uns erstmal kennen lernen konnten.
Was mich schon mal schwer beeindruckt hat: ich war der einzige Teilnehmer und trotzdem hat Norbert den Kurs gehalten. Für mich natürlich toll, denn so konnte ich ihm Löcher in den Bauch fragen.

Nach dem kurzen warm up ging es direkt in die Werkstatt, bzw in den Hof zum Rohschaft-Test. Eine erste Erleuchtung kam mir, dass man den Rohschaft-Test nicht unbedingt mit den Schäften machen muss, die man denn in Pfeile verwandeln will, sondern mit beliebigen Schäften aus der Spinegruppe, also Rohschäften die man extra für den Test hergerichtet hat. Es geht ja nur darum herauszufinden, welcher Spine am besten zu Bogen und Schütze passt, und da das Ergebnis ist dann ja auf einen vergleichbaren Schaft übertragbar.

Dann ging es auch gleich in medias res: die richtigen Schäfte aussuchen, kürzen und dann das Aussuchen der Vorschäfte aus dem Fundus an Edelhölzern und Horn. Das Einspleißen von Harthölzern als Vorschäfte und Nocken ist sicher eines der Spezialgebiete vom Norbert und sehr geduldig erklärte er erst die unterschiedlichen Typen von Spleiß und führte dann die erste Fräsung an der Maschine vor, bevor ich selbst ran musste. Wir bereiteten 3 Schäfte mit Vierfach-Spleiß vor, die dreifach-gespleisste Nocken bekamen. Dann verleimten wir zwei Schäfte mit RT-Spleiß und einen mit V-Spleiß die mit verstärkten Nocken veredelt wurden. Mein Erkenntnis war dann am Ende des Tages auch, dass für solch schöne Pfeile ein enormes Wissen aber auch die richtigen Werkzeuge notwendig sind.
Nachdem nun, wie schon gesagt, die verklebten Schäfte fertig präpariert waren, war Eva dran, denn sie ist eine wahrlich exquisite Köchin! Wir wurden mit einer Schweinelende "andalusische Art" und dannach einer Crème brûlée vom Feinsten verwöhnt. Nach so einem tollen Essen konnten wir den Abend bei sehr angeregten Gesprächen über den Bogensport, die Bogenjagd und den Bau von Holzpfeilen schön ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen ging es aber schon um 8:00 Uhr mit dem Frühstück weiter, mit frischen Semmeln, selbst gemachter Marmelade und sogar selbst gemachter Leberwurst. Klar, dass das ein guter Tag werden musste.
Wir starteten mit mit der Verfeinerung des Schäfte, die wir am Vortag geklebt hatten. Nun wurden die Vorschäfte gehobelt und verschliffen und dann die Pfeile zum Nockende hin getapert. Auch das begradigen der Schäfte, das so genannte "richten" haben wir genutzt wo nötig.
Es ist schon toll, wie viel Wissen und Geschichten Norbert großzügigst weitergibt und mit welcher Geduld er eine Frage auch zum fünften Mal beantwortet, z.B. weil ich mir einfach die Holzsorten, die ich mir ausgesucht hatte, nicht merken konnte.

Am Mittag zündete Eva das nächste kulinarische Feuerwerk mit einem Steak und vegetarischen Kartoffel-Spinat-Knödeln, die sie selbst erfunden hat. Zum Kaffee, ein paar Stunden später gab es einen französischen tarte au pommes und am Abend dann ein deftiges Rahmschnitzel und anschliessend ein selbst gemachtes Mousse au chocolat. Offensichtlich habe ich zu dem Pfeilbaukurs gleich noch ein Schlemmerwochenende dazu gebucht. Das tolle Essen ist in den Kursgebühren übrigens enthalten!

Am Ende des zweiten Tages hatte ich bereits 6 wunderbare, fast fertige Pfeile. Nur noch die Befiederung fehlte an den Schäften mit Elsbeere-, Robinie- und Meranti-Vorschäften und mit purple heart-Nocken im dreifach Spleiß bzw. mit Padouk verstärkten Nocken.
Am Sonntag gab es wieder ein tolles Frühstück bevor wir uns an die letzten Feinheiten der Pfeile machten: die Befiederung, die Wicklung und das finish. Bei der Befiederung zeigte mir Norbert, wie man aus ganzen Federn mit einer Federstanze Federn in den verschiedensten Farben zusammenspleißen kann. Toll war es aus seinem Fundus an Feder frei schöpfen zu dürfen und verschiedene Federformen wählen zu können.
Natürlich legt Norbert aber auch sehr großen Wert auf eine exakte Befiederung und die Zeit zwischen den einzelnen Schritten in denen der Kleber trocknete wurde für den Theorie-Teil genutzt.
Als alle Federn dran waren, kam die Wicklung und dannach erstmal Mittagessen!

Nach dieser hervorragenden Mahlzeit ging es noch an das ölen der Schäfte mit "danish oil", einem Hartöl, dass die Maserung der verschiedenen Hölzer nochmal so richtig zur Geltung bringt.
Natürlich durfte ein abschliessender Schusstest nicht fehlen, bei der Norbert den Flug der einzelnen Pfeile genau beobachtete um evtl "Ausreisser" noch korrigieren zu können.
Nach einem letzten Kaffee und bin ich mit 6 neuen, wunderbaren Pfeilen, einer Menge mehr an Wissen und sogar einer Urkunde wieder nach Hause gefahren.
Update:
Nochmal herzlichen Dank an Norbert und Eva für diesen tollen Kurs und dieses tolle Wochenende. Der Kurs ist meiner Meinung nach für alle die richtig besondere Holzpfeile bauen und dabei noch Schlemmen wollen, absolut zu empfehlen!

P.S: leider hatte ich meine Kamera vergessen, aber zum Glück haben moderne Kommunikationsgeräte auch eine Kamera nur die Qualität ist halt nicht so doll...
Und Norbert hat es geschafft, mich mit 6 ganz besonderen Pfeilen und einer Menge mehr an Wissen über die Herstellung von Holzpfeilen nach Hause zu schicken.

Begonnen hat der Kurs am Freitag bereits um 14:00, weshalb ich mir den Tag frei genommen hatte, um auch rechtzeitig dort zu sein. Normalerweise findet der Kurs in dem historischen Schulhaus statt, das Eva als Pension nutzt, doch wegen eines Wasserschadens durch den strengen Winter fand es ausnahmsweise bei Norbert in der Werkstatt in Wald, in der Nähe von Regensburg, statt. Dort angekommen wurde ich von den beiden sehr herzlich mit Kaffee und Kuchen empfangen, so das wir uns erstmal kennen lernen konnten.
Was mich schon mal schwer beeindruckt hat: ich war der einzige Teilnehmer und trotzdem hat Norbert den Kurs gehalten. Für mich natürlich toll, denn so konnte ich ihm Löcher in den Bauch fragen.

Nach dem kurzen warm up ging es direkt in die Werkstatt, bzw in den Hof zum Rohschaft-Test. Eine erste Erleuchtung kam mir, dass man den Rohschaft-Test nicht unbedingt mit den Schäften machen muss, die man denn in Pfeile verwandeln will, sondern mit beliebigen Schäften aus der Spinegruppe, also Rohschäften die man extra für den Test hergerichtet hat. Es geht ja nur darum herauszufinden, welcher Spine am besten zu Bogen und Schütze passt, und da das Ergebnis ist dann ja auf einen vergleichbaren Schaft übertragbar.

Dann ging es auch gleich in medias res: die richtigen Schäfte aussuchen, kürzen und dann das Aussuchen der Vorschäfte aus dem Fundus an Edelhölzern und Horn. Das Einspleißen von Harthölzern als Vorschäfte und Nocken ist sicher eines der Spezialgebiete vom Norbert und sehr geduldig erklärte er erst die unterschiedlichen Typen von Spleiß und führte dann die erste Fräsung an der Maschine vor, bevor ich selbst ran musste. Wir bereiteten 3 Schäfte mit Vierfach-Spleiß vor, die dreifach-gespleisste Nocken bekamen. Dann verleimten wir zwei Schäfte mit RT-Spleiß und einen mit V-Spleiß die mit verstärkten Nocken veredelt wurden. Mein Erkenntnis war dann am Ende des Tages auch, dass für solch schöne Pfeile ein enormes Wissen aber auch die richtigen Werkzeuge notwendig sind.
Nachdem nun, wie schon gesagt, die verklebten Schäfte fertig präpariert waren, war Eva dran, denn sie ist eine wahrlich exquisite Köchin! Wir wurden mit einer Schweinelende "andalusische Art" und dannach einer Crème brûlée vom Feinsten verwöhnt. Nach so einem tollen Essen konnten wir den Abend bei sehr angeregten Gesprächen über den Bogensport, die Bogenjagd und den Bau von Holzpfeilen schön ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen ging es aber schon um 8:00 Uhr mit dem Frühstück weiter, mit frischen Semmeln, selbst gemachter Marmelade und sogar selbst gemachter Leberwurst. Klar, dass das ein guter Tag werden musste.
Wir starteten mit mit der Verfeinerung des Schäfte, die wir am Vortag geklebt hatten. Nun wurden die Vorschäfte gehobelt und verschliffen und dann die Pfeile zum Nockende hin getapert. Auch das begradigen der Schäfte, das so genannte "richten" haben wir genutzt wo nötig.
Es ist schon toll, wie viel Wissen und Geschichten Norbert großzügigst weitergibt und mit welcher Geduld er eine Frage auch zum fünften Mal beantwortet, z.B. weil ich mir einfach die Holzsorten, die ich mir ausgesucht hatte, nicht merken konnte.

Am Mittag zündete Eva das nächste kulinarische Feuerwerk mit einem Steak und vegetarischen Kartoffel-Spinat-Knödeln, die sie selbst erfunden hat. Zum Kaffee, ein paar Stunden später gab es einen französischen tarte au pommes und am Abend dann ein deftiges Rahmschnitzel und anschliessend ein selbst gemachtes Mousse au chocolat. Offensichtlich habe ich zu dem Pfeilbaukurs gleich noch ein Schlemmerwochenende dazu gebucht. Das tolle Essen ist in den Kursgebühren übrigens enthalten!

Am Ende des zweiten Tages hatte ich bereits 6 wunderbare, fast fertige Pfeile. Nur noch die Befiederung fehlte an den Schäften mit Elsbeere-, Robinie- und Meranti-Vorschäften und mit purple heart-Nocken im dreifach Spleiß bzw. mit Padouk verstärkten Nocken.
Am Sonntag gab es wieder ein tolles Frühstück bevor wir uns an die letzten Feinheiten der Pfeile machten: die Befiederung, die Wicklung und das finish. Bei der Befiederung zeigte mir Norbert, wie man aus ganzen Federn mit einer Federstanze Federn in den verschiedensten Farben zusammenspleißen kann. Toll war es aus seinem Fundus an Feder frei schöpfen zu dürfen und verschiedene Federformen wählen zu können.
Natürlich legt Norbert aber auch sehr großen Wert auf eine exakte Befiederung und die Zeit zwischen den einzelnen Schritten in denen der Kleber trocknete wurde für den Theorie-Teil genutzt.
Als alle Federn dran waren, kam die Wicklung und dannach erstmal Mittagessen!
Nach dieser hervorragenden Mahlzeit ging es noch an das ölen der Schäfte mit "danish oil", einem Hartöl, dass die Maserung der verschiedenen Hölzer nochmal so richtig zur Geltung bringt.
Natürlich durfte ein abschliessender Schusstest nicht fehlen, bei der Norbert den Flug der einzelnen Pfeile genau beobachtete um evtl "Ausreisser" noch korrigieren zu können.
Nach einem letzten Kaffee und bin ich mit 6 neuen, wunderbaren Pfeilen, einer Menge mehr an Wissen und sogar einer Urkunde wieder nach Hause gefahren.
Update:
Nochmal herzlichen Dank an Norbert und Eva für diesen tollen Kurs und dieses tolle Wochenende. Der Kurs ist meiner Meinung nach für alle die richtig besondere Holzpfeile bauen und dabei noch Schlemmen wollen, absolut zu empfehlen!

P.S: leider hatte ich meine Kamera vergessen, aber zum Glück haben moderne Kommunikationsgeräte auch eine Kamera nur die Qualität ist halt nicht so doll...
Geschrieben von Jean-Christoph von Oertzen
um
22:17
Tags für diesen Artikel: hartöl, holzpfeil, kurs, materialien und werkzeuge, norbert bauer, pfeilbau, pfeilbau kurs, spleis






Kommentare
Fr, 27.08.2010 22:03
Fr, 27.08.2010 17:41
Do, 26.08.2010 22:55
Mi, 25.08.2010 10:54
So, 22.08.2010 14:59